Hautallergien und Hauterkrankungen bei Katzen: Ihr umfassender Leitfaden für 2026
Ein Leitfaden für Tierärzte zur Identifizierung, Diagnose und Behandlung häufiger Hautallergien und -erkrankungen bei Katzen, von Flohdermatitis über Futtermittelallergien bis hin zu Autoimmunerkrankungen.
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Hautallergien und Hauterkrankungen bei Katzen: Ihr umfassender Leitfaden für 2026
Von Dr. Sarah Mitchell, DVM | Aktualisiert: 2026 | Lesezeit: 16 Minuten
Einführung
Hauterkrankungen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Katzen tierärztliche Versorgung benötigen. Diese Zustände, die von anhaltendem Juckreiz bis zu unerklärlichen Hautausschlägen reichen, können für Haustiere und ihre Besitzer erhebliche Belastungen verursachen. Die frühzeitige Erkennung von Symptomen, eine genaue Diagnose und eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt sind entscheidend, um den Komfort Ihrer Katze wiederherzustellen.
Dieser definitive Leitfaden beleuchtet die häufigsten Hautallergien und -erkrankungen bei Katzen, beschreibt moderne Behandlungsoptionen und effektive Langzeitmanagement-Strategien.
Häufige Hauterkrankungen bei Katzen
Allergische Hauterkrankungen
Allergien sind eine Hauptursache für Hautreizungen bei Katzen und äußern sich typischerweise als intensiver Juckreiz (Pruritus).
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Arten von Allergien:
1. Flohallergische Dermatitis (FAD):
Die am weitesten verbreitete Hautallergie bei Katzen.
Eine überschießende Immunreaktion auf Proteine im Flohspeichel.
Ein einziger Flohbiss kann eine schwere, lang anhaltende Reaktion auslösen.
Verursacht intensiven Juckreiz, besonders an der Schwanzwurzel.
2. Futtermittelallergien:
Eine unerwünschte Reaktion auf bestimmte Nahrungsproteine.
Häufige Auslöser sind Huhn, Rind, Fisch und Milchprodukte.
Symptome umfassen Hautjucken, Magen-Darm-Beschwerden und wiederkehrende Ohrenentzündungen.
Die Diagnose erfordert eine strikte Eliminationsdiät.
3. Atopische Dermatitis (Umweltallergien):
Eine Überempfindlichkeit gegen luftgetragene Allergene wie Pollen, Schimmelpilzsporen und Hausstaubmilben.
Kann saisonal oder ganzjährig auftreten.
Hat oft eine genetische Komponente.
Die Diagnose umfasst den Ausschluss anderer Ursachen und kann Allergietests beinhalten.
4. Kontaktallergien:
Eine lokalisierte Reaktion auf Substanzen, die mit der Haut in Berührung kommen.
Mögliche Auslöser sind neue Waschmittel, bestimmte Streu, Kunststoffe oder topische Produkte.
Die Reaktionsstelle entspricht oft dem Kontaktbereich.
Parasitäre Hauterkrankungen
1. Räude (Milbenbefall):
Demodex: Meist nicht juckend, verursacht fleckigen Haarausfall; oft mit einer Grunderkrankung verbunden.
Notoedres (Katzensarkoptes-Räude): Hoch ansteckend und extrem juckend, verursacht starke Krustenbildung.
Otodectes (Ohrmilben): Verursachen Kopfschütteln, Ohrenkratzen und einen charakteristischen dunklen, krümeligen Ausfluss.
2. Hautpilz (Dermatophytose):
Eine Pilzinfektion, kein Wurm.
Zoonotisch (kann auf Menschen und andere Haustiere übertragen werden).
Zeigt sich als kreisförmige, schuppende Stellen mit Haarausfall.
Erfordert eine spezifische antimykotische Behandlung über mehrere Wochen.
Bakterielle und Hefeinfektionen
Sekundärinfektionen:
Entwickeln sich häufig, nachdem die Hautbarriere durch Allergien oder Parasiten geschädigt wurde.
Bakteriell (Pyodermie): Oft verursacht durch Staphylococcus-Bakterien.
Hefe: Häufig Malassezia-Überwucherung.
Anzeichen sind Pusteln, verstärkter Geruch, fettige Haut und zunehmender Juckreiz.
Erfordert gezielte antimikrobielle Therapie.
Autoimmun- und immunvermittelte Erkrankungen
Pemphigus-Komplex:
Eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper die Verbindungen zwischen Hautzellen angreift.
Verursacht Blasenbildung und Geschwüre auf der Haut und den Schleimhäuten.
Erfordert immunsuppressive Medikamente und sorgfältige Überwachung.
Eosinophiler Granulom-Komplex (EGK):
Ein häufiges immunvermitteltes Reaktionsmuster bei Katzen, oft im Zusammenhang mit Allergien.
Drei Hauptformen:
Eosinophiles Plaque: Erhabene, rote, ulzerierte, stark juckende Läsionen.
Indolentes Ulkus (Rodent Ulcer): Eine Wunde an der Oberlippe.
Eosinophiles Granulom: Lineare Plaques oder Knötchen, oft an den Oberschenkeln oder im Maul.
Hautprobleme bei Ihrer Katze erkennen
Klinische Anzeichen einer Hauterkrankung
Pruritus (Juckreiz):
Übermäßiges Putzen, Lecken oder Kauen.
Häufiges Kratzen mit den Hinterbeinen.
Reiben von Gesicht oder Körper an Möbeln.
Übermäßiges Putzen führt zu symmetrischem Haarausfall, oft am Bauch und an den Innenseiten der Oberschenkel.
Körperliche Anzeichen:
Alopezie: Haarausfall, der fleckig oder symmetrisch sein kann.
Erythem: Rötung oder Entzündung der Haut.
Papeln/Krusten: Kleine Beulen oder Schorf.
Schuppen: Schuppige oder schuppenartige Haut.
Veränderungen der Felltextur (fettig oder trocken).
Sekundäre Veränderungen durch chronische Erkrankung:
Lichenifikation: Verdickte, ledrige Haut.
Hyperpigmentierung: Dunklerwerden der Haut.
Narbenbildung und dauerhafter Haarausfall.
Verhaltensänderungen aufgrund chronischen Unbehagens.
Mustererkennung: Hinweise aus der Lokalisation
Gesicht und Kopf:
Häufig bei Futtermittelallergien und Ohrmilbenbefall.
Auch bei Autoimmunerkrankungen wie Pemphigus zu beobachten.
Schwanzwurzel und unterer Rücken:
Das klassische "Flohdreieck" bei Flohallergischer Dermatitis.
Auch assoziiert mit "Stud Tail" (Schwanzdrüsenhyperplasie).
Bauch und Innenseiten der Oberschenkel:
Ein häufiges Muster bei atopischer Dermatitis und Futtermittelallergien.
Der primäre Ort für psychogene Alopezie (stressbedingtes Überputzen).
Ohren:
Ohrmilben, Hefe- und bakterielle Infektionen.
Allergien verursachen oft juckende Ohren und wiederkehrende Infektionen.
Polypen oder andere Wucherungen.
Der tierärztliche Diagnoseprozess
Schritt 1: Körperliche Untersuchung
Ihr Tierarzt wird eine gründliche Untersuchung durchführen und dabei beurteilen:
Das Muster und die Verteilung der Läsionen.
Das Vorhandensein von Parasiten (mit einem Flohkamm).
Anzeichen von Sekundärinfektionen.
Den allgemeinen Gesundheitszustand Ihrer Katze.
Typische Kosten: 50 - 100 €
Schritt 2: Diagnostische Tests
1. Hautgeschabsel:
Zweck: Nachweis von Räudemilben (Demodex, Notoedres).
Ablauf: Sanftes Abschaben der Hautoberfläche, um Zellen und Debris für die mikroskopische Untersuchung zu sammeln.
Kosten: 20 - 40 €
2. Pilzkultur:
Zweck: Der Goldstandard zur Diagnose von Hautpilz.
Ablauf: Haare und Schuppen werden auf ein spezielles Kulturmedium gegeben; Ergebnisse dauern 10-14 Tage.
Kosten: 30 - 60 €
3. Zytologie (Hautabklatschpräparate):
Zweck: Identifizierung von bakterieller oder Hefe-Überwucherung.
Ablauf: Ein Objektträger wird auf die Haut gedrückt oder ein Ohr wird abgestrichen, um Zellen anzufärben und zu untersuchen.
Kosten: 20 - 40 €
4. Hautbiopsie:
Zweck: Für eine definitive Diagnose bei ungewöhnlichen, schweren oder nicht ansprechenden Erkrankungen (z.B. Autoimmunerkrankung, Krebs).
Ablauf: Unter Sedierung oder Narkose wird eine kleine Hautprobe entnommen und an einen Pathologen geschickt.
Kosten: 300 - 600 €
5. Allergietests:
Intradermale Hauttests: Kleine Mengen von Allergenen werden in die Haut injiziert, um Reaktionen zu beobachten. Gilt als sehr genau für Umweltallergien. Kosten: 300 - 500 €
Serum-IgE-Bluttest: Misst die Antikörperspiegel gegen verschiedene Allergene im Blut. Bequem, kann aber mehr falsche Ergebnisse liefern. Kosten: 200 - 400 €
6. Eliminationsdiät-Versuch:
Zweck: Die einzige zuverlässige Methode zur Diagnose einer Futtermittelallergie.
Ablauf: Fütterung einer strikten Diät mit einer einzigen neuartigen Proteinquelle (z.B. Ente, Kaninchen) oder einer hydrolysierten Proteindiät für 8-12 Wochen, absolut ohne andere Nahrungsmittel oder aromatisierte Medikamente.
Chronischer/komplexer Fall (inkl. Biopsie): 1.500 - 3.000 €+
Moderne Behandlungsoptionen
Grundlage: Konsequente Flohkontrolle
Selbst wenn Sie keine Flöhe sehen, ist Kontrolle entscheidend. Verwenden Sie tierärztlich empfohlene Produkte bei ALLEN Haustieren im Haushalt, ganzjährig.
Umweltkontrolle: Regelmäßig staubsaugen, Tierbetten in heißem Wasser waschen und bei starkem Befall Haushaltssprays in Betracht ziehen.
Allergiespezifische Behandlungen
1. Kortikosteroide (z.B. Prednisolon):
Anwendung: Schnelle, starke entzündungshemmende und juckreizlindernde Wirkung bei akuten Schüben.
Hinweis: Langzeitanwendung kann Nebenwirkungen verursachen (vermehrter Durst/Harnabsatz, Diabetes-Risiko).
Kosten: 15 - 30 €/Monat
2. Ciclosporin (Atopica®):
Anwendung: Ein immunmodulierendes Medikament, hervorragend für das Langzeitmanagement der atopischen Dermatitis geeignet.
Hinweis: Sichereres Profil für chronische Anwendung als Steroide; kann 4-6 Wochen bis zur vollen Wirkung dauern.
Kosten: 60 - 100 €/Monat
3. Oclacitinib (Apoquel®):
Anwendung: Ein gezieltes Anti-Juckreiz-Medikament (JAK-Inhibitor), das schnell wirkt.
Hinweis: Für Hunde zugelassen, wird aber unter tierärztlicher Aufsicht häufig und effektiv "off-label" bei Katzen eingesetzt.
Kosten: 50 - 80 €/Monat
4. Allergen-spezifische Immuntherapie ("Allergiespritzen" oder Tropfen):
Anwendung: Eine Langzeitlösung, die das Immunsystem Ihrer Katze gegenüber spezifischen, durch Tests identifizierten Allergenen desensibilisieren soll.
Hinweis: 60-80% der Katzen zeigen eine signifikante Besserung, erfordert aber Geduld (voller Nutzen kann 6-12 Monate dauern).
Kosten: 50 - 100 €/Monat für das Serum.
Behandlung von Infektionen
Bakterielle Infektionen (Pyodermie):
Häufige Antibiotika: Clavamox®, Cephalexin.
Langwirksame Injektion: Convenia® (Cefovecin) bietet zwei Wochen Therapie in einer Injektion.
Dauer: Typischerweise 2-4 Wochen, immer den gesamten Behandlungszyklus abschließen.
Hautpilz (Dermatophytose):
Systemische Therapie: Orale Gabe von Itraconazol oder Terbinafin über mehrere Wochen.
Topische Therapie: Schwefelkalk-Bäder oder Miconazol/Chlorhexidin-Shampoos, um die Umweltkontamination zu reduzieren.
Umweltdekontamination: Entscheidend, um eine Neuinfektion zu verhindern.
Topische und unterstützende Therapien
Medizinische Shampoos: Chlorhexidin (antibakteriell), Ketoconazol (antimykotisch) oder Haferflocken (beruhigend).
Topische Sprays/Schäume: Wie Steroidsprays (Cortavance) oder antimikrobielle Sprays zur lokalen Behandlung.
Omega-3-Fettsäure-Ergänzungen: Unterstützen die Hautgesundheit und reduzieren Entzündungen.
Management spezifischer Erkrankungen
Management von Futtermittelallergien
Diagnose via Eliminationsdiät: Ein 8-12-wöchiger strikter Versuch mit einer tierärztlich verordneten Diät.
Bestätigung via Provokation: Wenn die Symptome abklingen, sollte die Wiedereinführung des alten Futters einen Rückfall verursachen und so die Diagnose bestätigen.
Langzeitmanagement: Lebenslange Fütterung einer Diät, die die identifizierten Allergen(e) vermeidet. Lesen Sie alle Etiketten sorgfältig, einschließlich Leckerlis und Medikamente.
Management der atopischen Dermatitis
Eine erfolgreiche Strategie ist meist multimodal:
Strikte Flohkontrolle: Nicht verhandelbar, auch für reine Wohnungskatzen.
Allergenreduktion: Häufiges Baden (wenn toleriert), um Allergene aus dem Fell zu waschen, HEPA-Luftfilter, Waschen der Betten.
Immuntherapie: Die gezielteste Langzeitlösung.
Medikamente: Werden bei Bedarf zur Kontrolle von Schüben eingesetzt (Steroide, Ciclosporin, Oclacitinib).
Psychogene Alopezie
Dies ist eine Verhaltensstörung, bei der Katzen aufgrund von Stress oder Angst übermäßig putzen, was zu Haarausfall ohne primäre Hauterkrankung führt.
Management: Stressoren identifizieren und reduzieren (z.B. neue Haustiere, Routineänderungen).
Umgebungsanreicherung: Mehr Spielzeit, Futterpuzzles, Kratzbäume und gesicherter Freigang (z.B. Catio).
Pheromontherapie: Feliway®-Verdampfer oder Sprays.
Medikation: In schweren Fällen können tierärztlich verordnete Anti-Angst-Medikamente notwendig sein.
**Mittelschwerer Fall (z.B. bakterielle Infektion + erste All
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