Chronische Nierenerkrankung (CKD) bei Katzen: Ein Leitfaden 2026 zu Diagnose, Behandlung und Management
Ein umfassender, aktueller Leitfaden für Katzenbesitzer zum Verständnis, zur Diagnose und zum Management chronischer Nierenerkrankungen bei Katzen, um die Lebensqualität zu verlängern.
Diese Seite teilen
Chronische Nierenerkrankung (CNE) bei Katzen: Ein Leitfaden 2026 zu Diagnose, Behandlung und Management
Die Chronische Nierenerkrankung (CNE) bei Katzen, auch als chronisches Nierenversagen bekannt, ist eine der häufigsten und schwerwiegendsten Gesundheitsstörungen bei älteren Katzen. Obwohl sie fortschreitend und irreversibel ist, können Früherkennung und ein gezieltes Managementplan einer Katze ermöglichen, über Monate oder sogar Jahre eine gute Lebensqualität zu erhalten. Dieser umfassende Leitfaden versetzt Katzenbesitzer in die Lage, die Erkrankung zu verstehen, zu managen und eine an CNE erkrankte Katze bestmöglich zu unterstützen.
Die Nierenerkrankung der Katze verstehen
Was ist eine Chronische Nierenerkrankung?
Die CNE ist gekennzeichnet durch den allmählichen, irreversiblen Verlust der Nierenfunktion über die Zeit. Die Nieren sind lebenswichtige Organe, die für die Filterung von Abfallstoffen aus dem Blutkreislauf, die Regulation des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts, die Steuerung des Blutdrucks und die Produktion von Hormonen verantwortlich sind, die für die Bildung roter Blutkörperchen und den Kalziumstoffwechsel essenziell sind.
Tags
Feline CKDchronische NierenerkrankungNierenversagen bei KatzenGesundheit älterer KatzenNierendiät für KatzenKatzengesundheitsmanagement
Schlüsselmerkmale:
Fortschreitend und irreversibel: Die Schädigung akkumuliert und kann nicht rückgängig gemacht werden.
Allmählicher Beginn: Symptome entwickeln sich oft langsam über Monate oder Jahre.
Häufig bei Senioren: Meistens diagnostiziert bei Katzen über 12 Jahren.
Management-orientiert: Die Behandlung zielt darauf ab, das Fortschreiten zu verlangsamen und Symptome zu kontrollieren.
Behandelbar, nicht heilbar: Während es keine Heilung gibt, ist die Erkrankung sehr gut behandelbar.
Normale Nierenfunktion
Die lebenswichtigen Aufgaben der Nieren:
Filtration: Entfernen von Giftstoffen und Stoffwechselabfällen aus dem Blut.
Flüssigkeitsregulation: Kontrolle des Wasserhaushalts des Körpers durch die Urinkonzentration.
Elektrolythaushalt: Aufrechterhaltung angemessener Spiegel von Mineralien wie Kalium und Natrium.
Blutdruckkontrolle: Hilfe bei der Regulation des systemischen Blutdrucks.
Hormonproduktion:
Produktion von Erythropoetin zur Stimulation der Bildung roter Blutkörperchen.
Aktivierung von Vitamin D für die Kalziumaufnahme und Knochengesundheit.
Prävalenz und Risikofaktoren der CNE
Statistiken:
Betrifft 30-50 % der Katzen über 12 Jahre.
Eine der Haupttodesursachen bei Seniorkatzen.
Bleibt oft unerkannt, bis ein erheblicher Funktionsverlust eingetreten ist, was Früherkennungsuntersuchungen entscheidend macht.
Primäre Risikofaktoren:
Alter: Der größte einzelne Risikofaktor.
Rassedisposition: Perser, Abessinier und verwandte Rassen.
Krankengeschichte: Frühere akute Nierenschädigung oder Nierenerkrankungen.
Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Eine genetische Störung, die flüssigkeitsgefüllte Zysten verursacht.
Amyloidose: Abnorme Proteineinlagerungen im Nierengewebe.
Kongenitale Anomalien: Von Geburt an vorhandene Fehlbildungen.
Sekundäre Ursachen & Einflussfaktoren:
Systemische Hypertonie (Bluthochdruck).
Schwere oder chronische Infektionen.
Exposition gegenüber bestimmten Giften (z.B. Lilien, Frostschutzmittel).
Nierentumore oder Krebs.
Immunvermittelte Erkrankungen.
Idiopathisch: In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache unbekannt.
IRIS-Stadieneinteilungssystem
Tierärzte klassifizieren den Schweregrad der CNE anhand des International Renal Interest Society (IRIS)-Stadieneinteilungssystems, basierend hauptsächlich auf Blutkreatininwerten und klinischen Symptomen.
Stadium
Schweregrad
Kreatinin (mg/dL)
SDMA (µg/dL)
Klinisches Erscheinungsbild
1
Früh
<1,6
14-18
Meist symptomfrei; oft ein Zufallsbefund.
2
Mild
1,6 - 2,8
18-25
Leichte Symptome möglich (z.B. erhöhter Durst); im Allgemeinen stabil mit Management.
Subtile Verhaltens- und körperliche Veränderungen:
Zeitweiliger oder leicht verminderter Appetit.
Allmählicher, leichter Gewichtsverlust.
Geringere Aktivität oder weniger Interesse am Spielen.
Stumpfes, ungepflegtes Fell.
Fortschreitende Symptome
Appetit- und Ernährungsprobleme:
Deutlich vermindertes Interesse an Futter.
Entwicklung zu einem "wählerischen" Esser.
Deutlicher Gewichtsverlust und Muskelschwund.
Gastrointestinale Beschwerden:
Übelkeit (oft angezeigt durch Lecken der Lippen oder Speicheln).
Erbrechen, insbesondere von schaumiger Flüssigkeit oder Galle.
Verstopfung oder Durchfall.
Halitosis (Mundgeruch mit einem charakteristischen "urämischen" Geruch).
Allgemeiner systemischer Verfall:
Ausgeprägte Lethargie und Schwäche.
Schlechte Fellqualität und Fellpflege.
Mundgeschwüre oder blasses Zahnfleisch.
Anzeichen von Anämie: Schwäche, schnelle Atmung, blasse Schleimhäute.
Symptome im Spätstadium (urämische Krise)
Schwere Urämie (Ansammlung von Giftstoffen):
Häufiges, schweres Erbrechen.
Extreme Lethargie oder Benommenheit.
Neurologische Anzeichen wie Desorientierung oder Zuckungen.
Starker Gewichtsverlust und Muskelatrophie.
Schwere Dehydrierung.
Notfallzeichen, die sofortige tierärztliche Versorgung erfordern:
Zusammenbruch oder Unfähigkeit zu stehen.
Krampfanfälle.
Unkontrollierbares Erbrechen/Durchfall.
Atembeschwerden.
Vollständige Anorexie (Verweigerung von Futter und Wasser) für 24+ Stunden.
Diagnose: Bestätigung und Stadieneinteilung der CNE
Tierärztliche Untersuchung
Eine gründliche körperliche Untersuchung ist der erste Schritt:
Body Condition Score: Beurteilung von Gewichtsverlust und Muskelmasse.
Hydratationsstatus: Prüfung der Hautelastizität und Feuchtigkeit des Zahnfleischs.
Nierenpalpation: Nieren können sich klein, unregelmäßig oder schmerzhaft anfühlen.
Blutdruckmessung: Hypertonie ist eine häufige Begleiterkrankung.
Systemische Untersuchung: Abhören von Herz und Lunge, Untersuchung der Augen.
Diagnostisches Testpanel
1. Blutuntersuchungen:
Kreatinin: Ein primäres Abfallprodukt; erhöhte Werte weisen auf reduzierte Filtration hin. Der Schlüsselmarker für die IRIS-Stadieneinteilung.
Blutharnstoffstickstoff (BUN): Ein weiteres Abfallprodukt; weniger spezifisch als Kreatinin, da es durch Ernährung und Hydratation beeinflusst wird.
Symmetrisches Dimethylarginin (SDMA): Ein sensitiverer Biomarker, der einen 25%igen Verlust der Nierenfunktion erkennen kann und eine frühere Diagnose (Stadium 1) ermöglicht.
Komplettes Blutbild (CBC): Identifiziert Anämie, die im späteren CNE-Stadium häufig ist.
Blutchemie-Panel:
Elektrolyte: Kalium (oft niedrig) und Phosphor (oft hoch).
Kalzium: Die Werte müssen überwacht werden.
Gesamteiweiß & Albumin.
2. Urinuntersuchung:
Spezifisches Gewicht: Misst die Urinkonzentration. Verdünnter Urin (<1,035) ist ein Kennzeichen der CNE.
Proteinurie: Nachweis von Eiweiß im Urin über ein Urin-Protein:Kreatinin-Verhältnis (UPC).
Sedimentuntersuchung: Sucht nach Zellen, Bakterien oder Kristallen, die auf eine Infektion oder Steine hinweisen.
3. Blutdrucküberwachung:
Systolische Hypertonie (>160 mmHg) ist häufig und beschleunigt die Nierenschädigung. Sie erfordert eine separate Behandlung.
4. Bildgebende Diagnostik:
Abdomensonographie: Der Goldstandard zur Visualisierung von Nierengröße, -form, -textur und -struktur (Zysten, Steine, Tumore).
Röntgenaufnahmen (Radiographie): Können die Nierengröße beurteilen und bestimmte Steinarten identifizieren.
Behandlungs- und Managementstrategien
1. Diätetisches Management: Der Grundpfeiler der Versorgung
Verschreibungspflichtige Nierendiäten sind klinisch erwiesen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.
Wichtige ernährungsphysiologische Merkmale:
Eingeschränkter Phosphorgehalt: Die kritischste Komponente, um Mineralablagerungen in den Nieren zu verlangsamen.
Hochwertiges, moderates Protein: Genug, um die Muskelmasse zu erhalten, aber stickstoffhaltige Abfallstoffe zu reduzieren.
Erhöhte Omega-3-Fettsäuren: Zur Reduzierung von Entzündungen.
Erhöhte Kaloriendichte: Zur Bekämpfung von Gewichtsverlust.
Zugesetzte B-Vitamine & Kalium: Oft verloren durch erhöhte Urinausscheidung.
Reduzierter Natriumgehalt: Unterstützt das Blutdruckmanagement.
Führende Marken für verschreibungspflichtige Diäten:
Marke
Produktlinie
Hauptvorteile
Hill's Prescription Diet
k/d®
Mehrere Texturen (Feucht/Trocken), Goldstandard in der Forschung.
Royal Canin Veterinary Diet
Renal Support
Verschiedene Formeln (A-D, Feucht/Trocken) für verschiedene Stadien und Vorlieben.
Purina Pro Plan Veterinary Diets
NF Kidney Function®
Formuliert mit kontrolliertem Protein- und Phosphorgehalt.
Blue Buffalo Natural Veterinary Diet
K+M™
Verwendet natürliche Zutaten mit kontrollierten Mineralstoffgehalten.
Umstellung & Fütterungstipps:
Mischen Sie neues Futter über 7-14 Tage mit dem alten.
Erwärmen Sie Feuchtfutter, um den Geruch und die Schmackhaftigkeit zu verbessern.
Bieten Sie mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt an.
Dosen-/Feuchtfutter wird dringend empfohlen aufgrund seines hohen Feuchtigkeitsgehalts.
Konsultieren Sie Ihren Tierarzt bezüglich Schmackhaftmachern oder Appetitanregern, falls nötig.
2. Flüssigkeitstherapie
Subkutane (Sub-Q) Flüssigkeiten:
Werden zu Hause unter die Haut verabreicht, um chronische Dehydrierung zu bekämpfen, Giftstoffe auszuspülen und das Wohlbefinden zu verbessern.
Typisches Protokoll: 100-200 ml Ringer-Laktat-Lösung, 2-7 mal pro Woche nach Verordnung verabreicht.
Die meisten Katzen tolerieren es gut, und Besitzer können in der einfachen Technik geschult werden.
Phosphatbinder (z.B. Aluminiumhydroxid, Epakitin®): Werden mit den Mahlzeiten gegeben, wenn die Diät allein den Blutphosphor nicht kontrolliert.
Kaliumergänzungen (Gel oder Pulver): Korrigieren Hypokaliämie, die Schwäche verursachen kann.
Antihypertensiva (z.B. Amlodipin): Zur Kontrolle von Bluthochdruck und zum Schutz der Nieren.
Appetitanreger (z.B. Mirtazapin): Entscheidend für die Aufrechterhaltung der Kalorienaufnahme.
Antiemetika/Antazida (z.B. Famotidin, Maropitant): Zur Kontrolle von Erbrechen und Übelkeit.
Erythropoese-stimulierende Substanzen (z.B. Darbepoetin): Zur Behandlung schwerer Anämie.
ACE-Hemmer (z.B. Benazepril): Werden zur Behandlung signifikanter Proteinurie eingesetzt.
Überwachung, Prognose und Lebensqualität
Checkliste für die häusliche Überwachung
Täglich beobachten:
Futter- und Wasseraufnahme.
Katzentoklo-Gewohnheiten (Urinausscheidung).
Aktivitätslevel und allgemeines Verhalten.
Wöchentlich messen:
Körpergewicht (mit einer Tierwaage).
Achten Sie auf Warnzeichen:
Verminderter Appetit oder Erbrechen.
Erhöhte Lethargie.
Deutliche Veränderungen beim Trinken oder Urinieren.
Tierärztlicher Nachuntersuchungsplan
Stadium 1-2: Kontrolluntersuchungen und Blutuntersuchungen alle 4-6 Monate.
Stadium 3: Kontrollen alle 2-3 Monate.
Stadium 4: Kontrollen monatlich oder nach Anweisung Ihres Tierarztes.
Prognose und Lebensqualität
Mit engagiertem Management erleben viele Katzen längere Phasen guter Lebensqualität:
Stadium 1-2: Leben oft 3+ Jahre nach der Diagnose.
Stadium 3: Typischerweise 1-2 Jahre mit stabiler Lebensqualität.
Stadium 4: Die Prognose variiert von Monaten bis über ein Jahr, abhängig vom Ansprechen auf die Behandlung.
Beurteilung der Lebensqualität:
Stellen Sie sich regelmäßig diese Fragen:
Frisst und trinkt meine Katze ausreichend?
Hält sie/er sein Gewicht?
Ist sie/er interaktiv, sozial und in der Lage, Lieblingsaktivitäten zu genießen?
Ist sie/er bequem und frei von an
subkutane Flüssigkeiten
Iris-Staging
Katzenarzt
Erhalten Sie KI-gestützte Ratschläge zur Gesundheit und Pflege Ihrer Katze. Geben Sie die Informationen Ihrer Katze ein und beginnen Sie ein Gespräch mit unserem tierärztlichen Assistenten.
Erhalten Sie Expertenratschläge zu Katzenpflege, Verhalten, Ernährung, Pflege und Training. Stellen Sie unserem KI-Katzenpflegeexperten Fragen zu Ihrer Katze und erhalten Sie professionelle Anleitung.